Donnerstag, 14. Juli 2016

[Buchrezension] 3/11: Tagebuch nach Fukushima - Yuko Ichimura, Tim Rittmann

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""3/11" - also "Three Eleven", der 11. März 2011 - markiert in Japan ein Katastrophen-Datum sondergleichen: Das Tohoku-Erdbeben, das eine gigantische Tsunami-Welle und die Havarie des AKWs in Fukushima zur Folge hatte, und zehntausende Menschen das Leben kostete.
Was macht eine solche Katastrophe mit den Menschen? Wie gehen auch jene mit dem Schock um, die an diesem Tag Hunderte Kilometer entfernt in Tokio waren? Was ändert sich schleichend in den Köpfen, trotz der äußerlichen Ungerührtheit vieler Japaner? Was tun bei leeren Regalen im Supermarkt, Stromausfällen, unverhofften Beziehungsproblemen im Freundeskreis? Und darf man trotzdem noch mit Freunden einen draufmachen, auch wenn man Angst vor Radioaktivität im Trinkwasser hat?
Die Werbe-Regisseurin Yuko Ichimura und der deutsche Journalist Tim Rittmann, seit Jahren locker miteinander befreundet, entschlossen sich nach der Katastrophe spontan zu einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Seitdem schreibt und zeichnet Yuko ihre alltäglichen Erlebnisse und Gedanken aus Tokio als illustriertes Tagebuch auf, die Tim ins Deutsche überträgt und für das Online-Blog des SZ-Magazins aufbereitet.
Ihre ehrlichen und unprätentiösen Beobachtungen des aktuellen Lebens in Japan ergänzt Yuko Ichimura mit spontanen und quirlig-liebevollen Illustrationen, die ihre Gedanken auf ungewöhnliche, originelle Weise grafisch verdichten. "3/11 - TAGEBUCH NACH FUKUSHIMA" präsentiert die Tagebuch-Episoden in chronologischer Folge, ergänzt um neue Seiten, die exklusiv für die Buchausgabe entstanden sind."
Quelle




Supersüß, was soll ich da anderes sagen. Das Coverbild taucht so übrigens auch noch mal in einem Kapitel auf.



"3/11" ist das erste Buch dieser Art, das ich lese - ein Tagebuch aufgebaut aus einer Mischung aus Manga und einfachem Text - und ich muss sagen, dass es mir so gut gefallen hat, dass ich es wahrscheinlich irgendwann noch einmal lesen werde.

Die mangaähnlichen Zeichnungen in dem Buch sind wirklich supersüß (ich liebe diese Art der Zeichnung). Ich habe teilweise mehrere Minuten auf einer Seite verbracht, weil ich mir jede Zeichnung haargenau bis ins kleinste Detail anschauen musste.

Was aber viel bemerkenswerter ist - nicht, dass die Zeichnungen nicht bemerkenswert wären.. xD -, ist die wirklich packende Darstellung der Geschehnisse, die wirklich sehr nah und persönlich geschildert werden.
Der Leser bekommt einen ergreifenden Einblick darin, wie sich die Katastrophe für jemanden angefühlt haben muss, der ganz in der Nähe wohnt, aber auch darin, wie auf die Reaktionen von außen, d. h. vom Rest der Welt, reagiert wurde, was ich persönlich sehr interessant fand und womit ich gar nicht gerechnet hätte. 

Gerade dies zeigt meiner Meinung nach, wie realistisch "3/11" ist, da man eben nicht eine einseitige Darstellung bekommt, wie man sie in der westlichen Welt vielleicht erwartet.
Trotzdem ist alles natürlich sehr persönlich aus der Sicht der Autorin geschildert, wofür man als Leser wirklich dankbar sein kann, da sich ja nicht unbedingt jeder traut, so ehrlich zu sein.

Man kann sich in das Geschehen gut hineinversetzen und wird gezwungen über das, was passiert ist, nachzudenken. Oft habe ich überlegt, wie ich in so einer Situation wohl gehandelt hätte. Vermutlich um einiges panischer.
Generell wird man zum Nachdenken über Atomkraft und die Folgen usw. angeregt.

Trotz aller Tragik, die mit der Katastrophe verbunden ist, muss man bei diesem Tagebuch keine pure Trübseligkeit befürchten, da man zwischendurch oft auch mal herzlich lachen kann, woran nicht selten die tollen Zeichnungen schuld sind.



Ich habe "3/11" innerhalb von einer Stunde in einem Rutsch durchgelesen, es ist also durchgehend interessant und kein bisschen langweilig.
Die supersüße und interessante Darstellung durch einen sehr persönlichen Text und netten Zeichnungen, die einen sowohl traurig machen als auch zum Lachen bringen, macht "3/11" zu einer absoluten Leseempfehlung für einfach jeden.
5/5 Lesehasen.




https://www.carlsen.de/urheber/yuko-ichimura/23558
(c) Tokyo Kitsche
"Yuko Ichimura, 35, lebt inzwischen wieder in Tokio, nachdem sie zuvor elf Jahre lang in London zu Hause war. Yuko arbeitet als Illustratorin und Regisseurin für Werbe-Clips bei Pyramid Film. Sie unterhält eine Webseite (www.yukoichimura.com) und einen Twitter-Account (www.twitter.com/iucorin). Ihr Online-Tagebuch erschien regelmäßig auf der Webseite des SZ-Magazins. "3/11-Tagebuch nach Fukushima" ist ihr erstes Buch."








Vielen lieben Dank an

carlsen.de

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥




GLG ♥♥♥


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