Dienstag, 15. Februar 2022

Sexismus in der Fantasy – Blogtour zu „Die schwarze Stadt (Wolfszeit 3)“ von Bjela Schwenk

Hello und herzlich willkommen zu meinem ersten Blogpost, der keine Rezension ist, seit Juli 2021 😅

Tut mir ja schon ein bisschen leid, vor allem weil ich selbst auch gerne Posts anderer Art lese, aber für mehr als ein paar Rezis fehlt mir einfach die Zeit. Ein Beitrag auf Instagram ist da schneller erstellt. Na ja, darum geht's hier heute aber auch gar nicht! 😁

First things first: Erst einmal möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Bjela dafür bedanken, dass ich Teil ihres Bloggerteams sein darf!

Als sie für ihre Blogtour unter anderem das Thema „Sexismus in der Fantasy“ vorgeschlagen hat, war für mich direkt klar, dass ich dazu einen Beitrag schreiben möchte – einerseits natürlich, weil es mir auch in moderner (High) Fantasy immer wieder auffällt, dass Sexismus nach wie vor ein Problem ist, andererseits aber auch, weil „Wolfszeit“ ein wunderbares Positivbeispiel ist, das neben Sexismus auch andere Themen wie Rassismus, Vorurteile und Kastendenken anspricht und problematisiert.



Dieser Blogbeitrag ist die längere Version meines Instagram-Posts, den ich wegen der vorgegebenen Zeichenanzahl leider aufs Wesentliche beschränken musste. Wie ihr euch sicherlich denken könnt, für mich kein Leichtes! 😂 Umso mehr freue ich mich natürlich, wenn ihr von Instagram hierher gefunden habt. 😊
 

Was ist das, was mir am häufigsten in der Fantasy auffällt?

Ganz klar: Selbst in Welten von Romanen, in denen Frauen die Protagonistinnen sind, werden sie dort oft unterdrückt, belächelt oder sexualisiert. Die Protagonistinnen selbst wehren sich in der Regel natürlich dagegen, sind nicht selten Kämpferinnen, „nicht wie alle anderen“ oder „die Auserwählte“. Das Hauptproblem bleibt jedoch: Das weibliche Geschlecht ist auch in dieser fiktiven Welt das „Schwächere“. Ich frage mich dann immer, warum das zwingend so sein muss. Nur, weil viele Fantasyromane ein mittelalterliches Setting haben und es im realen Mittelalter nun mal so gewesen ist (und in der Gegenwart auch immer noch so ist, wir wollen ja nichts leugnen)? Immerhin ist Fantasy doch gerade das Genre, in dem alles erlaubt ist. Warum wird dann nicht eine Welt erschaffen, in der es nicht solche klar verteilten Rollen gibt? In der Frauen als Kriegerinnen respektiert werden, ohne dass das von den Figuren dieser Welt hinterfragt oder belächelt wird?


Machen wir hier direkt mal einen Schlenker zu „Wolfszeit“: Diese Reihe zeichnet unter anderem besonders ihre verschiedenen Völker aus, denen Bjela allen mit viel Liebe zum Detail unterschiedliche Sitten und Bräuche gegeben hat, eines davon sind die Izahmir.

Sie leben auf den Waldinseln, für sie ist es selbstverständlich, dass Frauen ebenso kämpfen wie die Männer – jede*r, der in der Lage ist, eine Waffe zu führen und das Heim zu verteidigen, ist ein*e wertvolle*r Krieger*in und jede*r wird dafür respektiert. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle! So zieht die Mutter mit der ältesten Tochter in den Krieg, weil sie hervorragende Kriegerinnen sind, der Vater bleibt mit der jüngeren Tochter, die noch nicht alt genug zum Kämpfen ist, auf den Waldinseln.

„Das Letzte, was sie sah, als sie zurückblickte, waren ein sehr kleines Mädchen und ein Mann, die sich aneinander festhielten und sehr verloren aussahen und sehr allein.“ (S. 42)


Auch in „Wolfszeit“ spielt Sexismus nichtsdestotrotz eine große Rolle, vor allem in den Ländern des Kontinents. Das wird besonders deutlich, als der Oberbefehlshaber der Armee es ablehnt, unter anderem die Kriegerinnen der Myr um Hilfe zu bitten, weil sie Frauen sind:

„‚Weibliche Soldaten und Kämpfer! Ich bitte Euch: Betrachtet die Sache ein einziges Mal unvoreingenommen, und Ihr werdet sehen, dass Frauen mit einer Waffe in der Hand nichts anzufangen wissen. Sie sind körperlich schwach und an geistigen Fähigkeiten dem Mann nicht gleichwertig, […]. Ihre Disposition ist dazu geeignet, Säuglinge und kleine Kinder mit Liebe und Fürsorge zu umgeben. Für das blutige Geschäft des Krieges sind sie zu weich, zu rührselig. Überhaupt neigen sie zu irrationalen Entscheidungen.‘“ (S. 152).


Das sagt der Oberbefehlshaber zu Juro, einem Mann der Izahmir, einem Volk, das, wie angeschnitten, Wert auf die Fähigkeiten der Person legt unabhängig vom Geschlecht; einem Volk, bei dem die Frau in den Krieg zieht, während ihr Mann ihr gemeinsames kleines Kind umsorgt. Er sagt es zu einem Mann, der also aus erster Hand weiß, dass das Geschlecht nichts über die Kampfeskunst aussagt. Es ist also ironisch, dass der Oberbefehlshaber Frauen irrationale Entscheidungen unterstellt, wenn einzig irrational seine Entscheidung ist, erfahrene Kriegerinnen der Myr aus dem einfachen Grund, dass sie Frauen sind, nicht um Hilfe zu bitten.

Bjela spricht hier mit diesem Konflikt also indirekt genau das an, was ich oben problematisiert habe: Warum ist es quasi der default mode, dass Frauen das schwächere Geschlecht sind, wie der Oberbefehlshaber meint? Gerade das Genre der Fantasy lädt doch praktisch dazu ein, dass Völker wie die Izahmir oder die Myr geschaffen werden, in der weibliche Kriegerinnen die Norm sind und dafür respektiert werden. Dass dabei Sexismus (auch in der realen Welt) kritisiert werden kann, ohne auf diesen vermeintlichen Default hereinzufallen, zeigt die Autorin in „Wolfszeit“ wunderbar.

Außerdem:

Unabhängig von „Wolfszeit“, wo der Krieg im Fokus steht, und deshalb primär dieser Aspekt des Sexismus von physischer Stärke von Frauen problematisiert wird, gibt es vier weitere Dinge, die durchaus sexistisch sind und die mir vor allem auch in gehypten Fantasybüchern immer wieder auffallen:



Erstens sind es oft (quasi) unsterbliche Männer mit mindestens 100 Jahren auf dem Buckel, meistens Vampire oder Fae, die sich in menschliche Frauen Anfang 20 verlieben. Der Altersunterschied ist eine Sache (es könnten ja auch mal beide Anfang 20 sein oder beide übernatürliche Wesen), aber dass es oft genau diese Konstellation ist, und nicht mal andersherum – dass also die Frau das übernatürliche Wesen ist und der Mann der Mensch – zeigt auch hier irgendwo den Gedanken, dass der Mann scheinbar stärker sein muss als die Frau.

Beispiele dafür: praktisch alles von Sarah J. Maas (Rowaelin, Elorcan, Feysand, Nessian, Quinlar; Manorian ist hier das einzige Gegenbeispiel), „Blood and Ash“ von Jennifer L. Armentrout (Poppy & Hawke) und als Vorreiter der Jugendfantasy natürlich „twilight“ von Stephenie Meyer (Bella & Edward).



Zweitens passiert es vor allem weiblichen Figuren oft, dass sie im Verlauf der Handlung immer stärker werden, irgendwann over-powered sind, nur um dann am Ende sich selbst oder ihre Kräfte für jemand anderen oder das große Ganze opfern zu müssen. Auch hier kann beispielhaft wieder SPOILER!!! Sarah J. Maas mit Aelin, Feyre und Nesta genannt werden. Ein weiteres prominentes Beispiel ist SPOILER!!! Alina aus Leigh Bardugos Grishatrilogie.





Der dritte Aspekt lässt mittlerweile glücklicherweise in Neuerscheinungen immer mehr nach, aber gerade in Jugendbüchern der 2010er-Jahre ist die Protagonistin oft „nicht wie alle anderen“, spielt lieber Basketball anstatt shoppen zu gehen (oder so) und vor allem sieht sie selbst nicht, wie schön sie eigentlich ist, aber dem männlichen Protagonisten fällt das natürlich sofort auf. Beispiele dafür: Josie aus der „Götterleuchten“-Reihe von Jennifer L. Armentrout oder Helen aus der „Göttlich“-Trilogie von Josephine Angelini.
Das geht oft einher mit internalisierter Misogynie: Weil die Protagonistin so *anders* ist, sieht sie auf alle Frauen herab, die mit zu kurzen Kleidern, lackierten Nägeln und Stöckelschuhen herumlaufen. Wenn sie dann noch mit vielen Jungs schläft, ist gleich alles vorbei (Stichwort Slutshaming). Das taucht, wie gesagt, glücklicherweise immer weniger in Büchern auf, wobei es mir weniger im Fantasygenre als vor allem im New Adult-Bereich nichtsdestotrotz vereinzelt immer noch auffällt.




Zuletzt geht Sexismus natürlich auch andersherum: Vor allem in Büchern von weiblichen Autorinnen ist mindestens der männliche Hauptprotagonist ein sexy, ripped Bad Boy – oder eben ein gutaussehender, muskulöser Good Guy, Hauptsache er verkörpert unrealistische Körperstandards. Immerhin sind dann nicht selten auch die Frauen alle super sexy, vor allem bei Sarah J. Maas, aber würde ein männlicher Autor seine weiblichen Hauptfiguren so detailliert beschreiben, wie SJM ihre Fae (oder JLA ihren Casteel Da’Neer), wäre der Aufschrei vermutlich groß. Man sollte hier vor allem als Leser*in nicht mit zweierlei Maß messen.


Ein abschließendes Wort:

Nun sind die genannten Bücher alles Werke, die ich sehr gerne gelesen habe und die zum Teil auch zu meinen Lieblingsreihen gehören – allen voran die Bücher von Sarah J. Maas, die nicht nur in diesem Aspekt teils sehr problematisch sind. Man kann und darf diese Bücher trotz allem auch gerne genießen – wenn sie gut geschrieben sind und beim Lesen Freude bereiten, ist das doch alles, was wir wollen! Dabei ist mir ist nur eines wichtig: Man sollte die Problematik jedenfalls sehen und auch ansprechen.



So viel also zu meiner Meinung über Sexismus in der Fantasy. Ist wie immer eeeeetwas mehr geworden als ich dachte haha, aber na ja, das kennt ihr ja nicht anders von mir.

Wie steht ihr denn zu dem Thema? Stimmt ihr mir in den genannten Aspekten zu oder würdet ihr mir widersprechen? Was fällt euch oft in Fantasybüchern (negativ oder positiv) auf?

Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen! 😊


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