Sonntag, 15. November 2015

[Buchrezension] Die Bibliothek der Schwarzen Magie: Die Wissende - Christopher Nuttall

 
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"Elaines magische Gabe ist bestenfalls durchschnittlich und reicht gerade aus, um ihr eine Stellung in der Großen Bibliothek der Goldenen Stadt zu verschaffen. Aus Versehen löst sie dort einen uralten Zauber aus, der das gesamte Wissen der Bibliothek in ihren Kopf überträgt. Obwohl Elaine die dazugehörige Magie fehlt, lenkt ihre Kenntnis der stärksten Zaubersprüche die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sie. Doch noch während sie darum ringt, mehr als eine Trophäe des Adels zu sein, kommt ihr ein schrecklicher Verdacht. War der Vorfall von langer Hand geplant?"
Quelle



"Er wartete."



Das Cover gefällt mir recht gut. Auf jeden Fall passt es mit dem Bild der Magierin und dem schwarzen Rahmen darum zum Inhalt, und die goldene Schrift verleiht dem Ganzen etwas Edles.
Was mir gut gefällt, ist, dass man das Gesicht der Person auf dem Bild nicht erkennen kann, sondern nur ihre zaubernden Hände. Gesichter hat man in letzter Zeit ja oft, und sie können zwar schön sein, aber nicht allzu selten zerstören sie das Cover auch. Ist also ganz erfrischend, mal kein Gesicht zu sehen. ;)
Der Titel "Die Wissende" passt auch wie die Faust aufs Auge, jedoch finde ich den Originaltitel "Bookworm" noch  besser, da er, zusammen mit dem Inhalt, doppeldeutig wird.
Die Kapitel sind alle kurz bis mittellang.



Also, als ich das Buch gesehen habe, hat der Titel zuerst einmal meine Aufmerksamkeit erregt. Ich meine, wenn es da schon um eine Bibliothek geht, kann doch eigentlich nichts schief gehen oder? :D
Dazu dann noch die Magie und das Buch hatte mich endgültig in seinem Bann.
Tja, als ich dann angefangen habe, war ich zuerst doch ein wenig enttäuscht.

Der Anfang ist nämlich sehr  schleppend. Nicht nur, dass einen die Namen ziemlich irritieren - bspw. heißt die Protagonistin Elaine Elternlos, und jetzt ratet mal, was sie nicht hat. Die Bibliothekarin heißt Miss Pingel und der Polizist Inquestor Zorn. Am schlimmsten jedoch fand ich den Namen von Biene, der kein Spitzname ist, sondern sein richtiger. Und wisst ihr, wieso? Weil seine Mutter Bienen mag. Weil seine Mutter Bienen mag.  Hoffen wir mal, dass das doch ein wenig an der Übersetzung liegt...

Dass ich relativ schwer in das Buch gefunden hab, lag allerdings auch daran, dass mich die Protagonistin, abgesehen von ihrem Namen, extrem genervt hat. Sie ist einfach unglaublich  unsicher und hat keinerlei Selbstbewusstsein, nur weil sie nicht soo viele magische Kräfte hat. Elaine lässt sich einfach von jedem niedermachen (meistens von ihrer Erzfeindin Millicent) und insbesondere am Anfang macht sie gar keine Anstalten, sich dagegen zu wehren. Wie gesagt, kein Selbstvertrauen. Dazu kommt, dass sie sich fast die ganze Zeit darüber beschwert, dass sie nichts kann und dass Millicent sie ständig fertigmacht und dass sie sich nicht zu irgendetwas traut, blablabla.. Ja, Entschuldigug, jammer doch nicht ständig nur, sondern mach auch mal irgendetwas dagegen!
Als wäre das noch nicht genug, wirkt das alles nicht nur unglaublich nervig, sondern auch sehr unglaubwürdig und konstruiert.

Das wird noch dadurch verstärkt, dass Daria, ihre beste Freundin, das genaue Gegenteil von ihr ist, was die beiden zu einem typischen, klischeehaften 08/15-Beste-Freunde-Duo macht.
Im Gegensatz zu Elaine ist Daria nämlich alles andere als unsicher und hat unzählige Freunde. Dazu macht sie aus allem, was sie oder irgendjemand anderes sagt, eine sexuelle Anspielung, wohingegen Elaine prüder als eine Nonne ist. Ja ja, sehr glaubwürdig und auch gaar nicht komisch oder so..

Die einzige Figur, die mir gefallen hat, ist Inquestor Zorn, auch wenn sein Name noch so lächerlich ist (vor allem, da er nahezu immer zornig ist..). Ich weiß zwar nicht wieso, weil Zorn jetzt auch nicht gerade die tiefsinnigste, interessanteste Figur ist, von der ich je gelesen habe, allerdings war er mir trotzdem sympathisch.
Außerdem hat mir diese Harmonie zwischen ihm und Elaine so gut gefallen, ich wollte permanent, dass die beiden sich plötzlich verlieben oder so. Was dann ja doch irgendwie zunichte gemacht wurde, als sie ihn mit einem Vater verglichen hat... Trotzdem! :D

"Ein wenig Wissen konnte eine sehr gefährliche Sache sein; gewöhnliche Bücher richteten nicht direkt Schaden an, aber sie enthielten Wissen, das sehr schnell tödlich werden konnte, wenn es in die falschen Hände geriet."
(S. 372)

Das Buch hat also nicht nur negative Seiten (*ähem* die Namen.. *ähem*).
Die Idee dahinter ist interessant und auch noch nicht so abgenutzt, und obwohl es sehr lange dauert, bis sich auch nur etwas Spannung aufbaut - die ersten paar 100 Seiten passiert so gut wie gar nichts -, konnte ich, nachdem dann endlich auch etwas passiert ist, Die Bibliothek der Schwarzen Magie  bis zum Ende nur schwer aus der Hand legen. Teilweise ist die Geschichte zwar echt vorhersehbar und wirkt durchgehend auch nicht wirklich realistisch, sondern eher konstruiert, aber sie ist dennoch fesselnd. Und das Ende ist auch echt... gut.. o.o

Zuletzt muss ich jedoch sagen, dass mir beim Lesen immer wieder einige Logikfehler aufgefallen.
So reden sich die Figuren bspw. durchgehend mit "Ihr" an. An einer Stelle jedoch duzt Zorn Elaine. Da dort die Geschichte schon um einiges fortgeschritten ist, hätte es eigentlich gepasst, allerdings reden sich die beiden danach wieder ausschließlich mit "Ihr" an und es bleibt bei dem Du. Natürlich hätte es sein können, dass dem Inquestor das rausgerutscht ist oder so, aber Elaine ist es anscheinend nicht einmal aufgefallen, da es später mit keinem Wort weiter erwähnt oder aufgegriffen wird, der Inquestor entschuldigt sich auch nicht oder so. Das fand ich dann doch etwas komisch, wobei man natürlich sagen muss, dass auch das mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wieder an der Übersetzung liegen kann.



Das Buch hat wirklich seine Schwächen, insbesondere der echt langatmige Anfang.
Dazu kommen die lächerliche Namensgebung (Biene...) und einige Logikfehler, was beides teilweise allerdings auch an der Übersetzung liegen kann.
Trotz allem lohnt sich das Buch besonders zum Ende hin und macht neugierig auf den zweiten Teil (in dem Elaine das mit dem Vater-Vergleich hoffentlich vergisst... :|).
3,5/5 Lesehasen.




"Christopher Nuttall wuchs in Edinburgh auf, wo er auch Geschichte studierte. Bereits während er noch an der Universität war, verdiente er sein Geld mit Schreiben. Chris lebt derzeit in Borneo mit seiner Frau, Muse und Kritikerin Aisha. "
Quelle


Vielen lieben Dank an
randomhouse.de/blanvalet

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥



GLG ♥♥♥

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