Mittwoch, 12. August 2015

[Buchrezension] Die Feenjägerin - Elizabeth May

 
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"Ballsaison im Edinburgh des Jahres 1844: Jeden Abend verschwindet die junge und bildschöne Aileana Kameron für ein paar Stunden vom Tanzparkett. Die bessere Gesellschaft zerreißt sich natürlich das Maul über sie, aber niemand ahnt, was die Tochter eines reichen Marquis während ihrer Abwesenheit wirklich tut: Nacht für Nacht jagt sie mithilfe des mysteriösen Kiaran die Kreaturen, die vor einem Jahr ihre Mutter getötet haben – die Feen. Doch deren Welt ist dunkel und tückisch, und schon bald gerät Aileana selbst in tödliche Gefahr ..."
Quelle





"Ich habe mir jede ihrer Anschuldigungen eingeprägt: Mörderin."



Das Cover gefällt mir recht gut, obwohl ich Gesichter auf Covern ja eigentlich doof finde, aber hier ist es irgendwie passend und cool. Auch wenn die Frau ein bisschen komisch guckt... xD
Der Titel passt meiner Meinung nach, auch wenn ich finde, dass der OT noch viel besser passt und nicht so einfallslos wirkt.
An der Aufmachung gefällt mir das Preis-Leistungs-Verhältnis als einziges nicht so. Die Feenjägerin  ist ein normales Taschenbuch, nur halt etwas größer, von der Stabilität her jedoch genauso wie jedes andere TB aus dem Heyne-Verlag. Aber ansonsten keine Klappen oder so, also nicht broschiert. Und dafür dann 14 € - also 5 € mehr, als man sonst für fast jedes TB bezahlt - zu verlangen, finde ich doch ein bisschen frech.
Die Kapitel sind alle kurz bis mittellang.



Ich habe das Buch bereits auf einigen Blogs gesehen, aber ich habe mir noch keine Rezensionen oder so dazu durchgelesen und auch sonst keine Meinungen zu Die Feenjägerin  gelesen. Demzufolge hatte ich auch keine wirklichen Erwartungen an das Buch, habe mich aber doch darauf gefreut, weil wegen 1844 und Schottland und Feen und so.
Man wird als Leser direkt in die Geschichte hineingeworfen, wodurch direkt auf der ersten Seite relativ viel Spannung vorhanden ist. Man weiß nämlich noch nicht so genau, was Aileana bereits alles durchgemacht hat und wieso sie so geworden ist, wie sie jetzt ist. Durch den Klappentext weiß man zwar, dass ihre Mutter tot ist, aber man kennt keine Einzelheiten. Diese werden erst nach und nach enthüllt und werfen auch gleichzeitig wieder neue Fragen auf, was dann natürlich ans Buch hält, da man ja wissen will, was da jetzt passiert und wieso usw.
Die Protagonistin selber ist durch den Tod ihrer Mutter ziemlich "hart" und tough geworden und nicht mehr so, wie es sich für eine junge Frau in ihrem Alter zu der Zeit gehörte. Das ist in der Gesellschaft logischerweise nicht gern gesehen, was diese sie auch spüren lässt. Doch Aileana interessiert es nicht wirklich, was die Leute von ihr denken, lediglich aus Liebe zu ihrem Vater - der, nebenbei bemerkt, ein ziemlicher A**** von Vater ist -, gibt sie ihr bestes, damit ihr Image wieder besser wird. Dass das nicht unbedingt klappen dürfte, liegt nicht nur an Aileanas Temperament, sondern natürlich auch daran, dass sie eine Feenjägerin ist, die oft anderes zu tun hat, als auf Bällen zu tanzen.
Dabei ist sie die ganze Zeit über nicht perfekt; sie macht Fehler, schafft nicht alles und manchmal gehen auch die Gefühle mit ihr durch. Das alles macht sie authentisch und sympathisch, sodass es dem Leser leicht fällt, sich in sie hineinzuversetzen.

"Am meisten sehne ich mich nach Rache. Es ist das Einzige, wonach ich derart gelechzt habe, dass ich dafür töte. Davon abgesehen handelt es sich um die älteste Motivation der Welt. Die Leute mögen glauben, das sei Liebe oder Gier oder Reichtum - doch Rache schenkt Leben. Sie stärkt einen. Lässt einen brennen."
(S. 224)

Während ihrer Jagd nach Feen bekommt Aileana Hilfe von einer anderen Fee: Kiaran.
Er ist besonders zu Anfang noch ziemlich geheimnisvoll, und die Tatsache, dass er ebenfalls eine Fee und damit sehr mächtig ist, machen ihn gefährlich. Weil der Leser recht wenig über ihn weiß, kann er auch nicht einschätzen, ob er Kiaran jetzt trauen darf oder nicht, was noch ein zusätzlicher Spannungsfaktor ist. Jedoch erhält dieser Charakter im Laufe der Handlung immer mehr Tiefe und lässt hin und wieder auch das eine oder andere Gefühl hervorscheinen, wodurch Kiaran dem Leser immer mehr ans Herz wächst.
Weil es ja mittlerweile zum guten Ton der Jugendliteratur gehört, gibt es hier ebenfalls - wenn auch nicht so richtig - eine Dreiecksbeziehung. Aileana und auch Kiaran scheinen Gefühle füreinander zu haben, gestehen sich dies allerdings schlicht und einfach nicht ein (was einen dazu verleiten könnte, den Kopf hin und wieder gegen die Wand zu schlagen). Weil Aileana allerdings - wie bereits erwähnt - ihr Image pflegen muss, verlobt sie sich nach einem (missverstandenen) Vorfall mit Gavin, dem Bruder ihrer Freundin, den sie schon seit Kindheitstagen kennt und in den Aileana früher verliebt gewesen ist. Sie sind sich beide wichtig, ob daraus jedoch mehr werden kann, steht in den Sternen (wobei ich ja Team Kiaran bin!!! :D)
Deswegen eine "nicht so richtige" Dreiecksbeziehung: irgendwie ist es eine, irgendwie aber auch nicht.
Jedenfalls hat May hier nicht so ein riesiges Drama raus gemacht, wie es in anderen Jugendbüchern der Fall ist. ^^
Bei aller Sympathie zu den drei bereits genannten Figuren hat die kleine Fee Derrick jedoch bereits nach seinem ersten Auftritt mein Herz vollkommen eingenommen. Es ist einfach total niedlich, wie sehr er sich um Aileana sorgt und sie um jeden Preis beschützen will. Dabei wohnt er in ihrem Kleiderschrank und näht sich aus ihren alten (kaputten) Ballkleidern Hosen, wenn er Aileana einen Gefallen tut, "bezahlt" sie ihn mit Honig, der ihn "betrunken" macht. Derrick ist so ziemlich hauptverantwortlich dafür, dass ich oftmals nicht mehr aufhören konnte zu lachen, vor allem auch, weil er sich gerne mit anderen Leuten anlegt (vorzugsweise Kiaran) und kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist einfach toll! :D
Die Feenjägerin  weist viele, facettenreiche Charaktere auf, und auch der Schreibstil flutscht.
Am herausragendsten ist jedoch die Fähigkeit der Autorin, den Leser auf der ersten Seite zu fesseln und dann nie wieder loszulassen. Gerade zum Ende hin wird die Spannung immer größer und größer und größer und man liest und blättert und liest und blättert und liest und blättert - und dann ist das Buch vorbei.
Miesester Cliffhanger ever. :|



Ein wirklich, wirklich tolles Buch über eine tapfere, authentische Protagonistin, die den Tod ihrer Mutter rächen will, und dazu noch eine nähere Bestimmung hat, wie sie später erfährt. Ein schöner Auftakt zu einer schönen Reihe. Mit dem Cliffhanger des Jahrtausends. Echt. Das Buch macht euch fertig. Tot.
5/5 Lesehasen. ♥




(c) Elizabeth May
"Elizabeth May wurde in Kalifornien geboren, wo sie auch ihre ersten Lebensjahre verbrachte, bevor sie nach Schottland zog. Sie studierte Anthropologie an der Universität von St. Andrews und schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit. Wenn sie sich nicht gerade der Wissenschaft widmet, stürzt sie sich mit Begeisterung in fantastische Welten. Die Autorin lebt zusammen mit ihrem Mann in Edinburgh. "
Quelle







Vielen lieben Dank an

randomhouse.de/heyne

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥


GLG


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