Mittwoch, 20. Januar 2016

[Buchrezension] Centum Night - Lou Timisono




"Mehr und mehr Länder schließen sich der Coastal Alliance an. Der Beitritt eines Landes verhilft der dortigen Elite zu einem Luxusrefugium, während die verarmte Bevölkerung in einer vom Verbrechen beherrschten Crime Zone leben muss.
Zwischen diesen Territorien befindet sich eine Hochsicherheitszone, deren Bewohner in monotoner Bedürfnislosigkeit gehalten werden. Wünsche nach emotionaler Nähe und sexuelles Verlangen werden auf hohem technologischen Niveau kontrolliert abgebaut. Hier, in Solocity, gibt es keine Gewalt.
Da geschieht das Undenkbare. In Solocity beginnt eine rätselhafte Mordserie. Agent Eddie Bellefleur erhält bei seinen Ermittlungen Hinweise auf ein weitgespanntes Netz aus Verrat und verborgenen Leidenschaften, das bis in die Spitze des Regimes reicht.

Die tabulose Abrechnung mit einer von unstillbarem Machthunger, ausufernder Gewalt und emotionaler Verkümmerung geprägten Gesellschaft - eine Orwellsche Vision für das 21. Jahrhundert."
Quelle



"'Helfen Sie mir!"





Also, das Cover finde ich wirklich sehr gelungen. Man sieht eine Hafenstadt (ein bisschen erinnert sie an Miami oder so) und ein riesiges Feuer, was beides den Inhalt gut widerspiegelt, insbesondere das Ende. 
Der Titel ist ebenfalls gelungen, auch wenn sich einem der Sinn erst in der fortlaufenden Handlung eröffnet; den Untertitel hingegen finde ich etwas zu dramatisch.

Dramatisch ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis: Das Buch kostet 16,95 €, obwohl es einfach nur ein etwas größeres Taschenbuch ist. Zugegeben, der Einband ist für ein Taschenbuch relativ stabil, aber trotzdem ist das meiner Meinung nach immer noch ein Wucherpreis, wenn man bedenkt, dass man für den Großteil gebundener Bücher genausoviel bezahlt...

Die Kapitel sind alle kurz bis mittellang.




Ja, also, wie ihr wahrscheinlich alle wisst, stehe ich total auf dieses Dystopien-Sci-Fi-Schlechte-Zukunft-Technik-Weltuntergangs-Zeugs, weshalb ich dieses Buch natürlich auch sofort lesen musste. Allerdings habe ich schon direkt nach den ersten paar Seiten gemerkt, dass es wohl nicht ganz so das ist, was ich mir erhofft hatte...

Zum Einen ist der Einstieg in die Geschichte wirklich sehr schwer. Man muss nicht nur mit den vielen unbekannten, technischen Begriffen klarkommen, die zwar erklärt werden, was dann allerdings doch relativ schwierig ist, beizubehalten. Und nach jedem Satz hinten ins Glossar zu schauen, erschien mir dann doch etwas mühselig.
Man hat also enorme Verständnisprobleme.

Dazu kommt allerdings auch noch, dass es sehr lange dauert, bis sich einigermaßen Spannung aufbaut. Es passiert die ganze Zeit zwar irgendetwas, allerdings packt das Buch nicht wirklich. Ein Grund für die doch eher schleppende Spannung ist aber wahrscheinlich auch, dass das, was passiert, im ersten Moment doch sehr durcheinander scheint, und auch die Figuren verleiten dazu, dass man sie untereinander nur schwer unterscheiden kann.

Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass die Figuren nicht so leicht zu greifen sind, aber auch, dass sie alle relativ oberflächlich gehalten sind. Man erfährt zwar hin und wieder etwas über sie und ihre Vergangenheit, jedoch hat man als Leser Schwierigkeiten, eine Bindung zu den einzelnen Figuren aufzubauen. Was mich angeht, hatte ich diesbezüglich sogar nicht nur bei einigen Personen Schwierigkeiten, sondern bei allen.
Auch die Gedankengänge der Figuren erschließen sich dem Leser nicht unbedingt immer. Vieles wird zwar erklärt, jedoch kann man sich nicht wirklich in die Charaktere und ihre Gefühlswelt hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen, was aber auch höchstwahrscheinlich an der fehlenden Bindung liegt.

Zusätzlich dazu hat mich noch gestört, dass die Frauen in dem Buch von nahezu allen Männern (mit einigen wenigen Ausnahmen) als Lustobjekte angesehen werden und nicht als gleichwertige Menschen. Dementsprechend gibt es in "Centum Night" auch viel Gewalt und (damit verbundenen) Sex. Natürlich kann ich verstehen, dass Gewalt und in irgendeiner Weise auch Sex zum Endzeit-Setting dazugehören, allerdings ist das hier meiner Meinung nach eindeutig zu viel und auch eindeutig sexistisch Frauen gegenüber, die nicht nur objektiviert werden sondern auch sehr unscheinbar bzw. dargestellt sind - keine einzige Frau wehrt sich dagegen.
Das hat mich sehr gestört.. :/

Na ja, abgesehen davon, dass das Buch wirklich nur vereinzelt etwas spannend ist und ansonsten eher nicht und dass ich mit den Figuren nicht so warmwerden konnte und dass ich folglich froh war, als ich das Buch endlich durchhatte, muss ich trotz allem sagen, dass "Centum Night" auch etwas Positives an sich hat:

Einerseits hat mir der Schreibstil relativ gut gefallen, da er (natürlich abgesehen von den ganzen Sci-Fi-Wörtern) gut verständlich und flüssig zu lesen ist. 
Außerdem ist der Plot an sich auch nicht schlecht; die Geschichte erinnert ein bisschen an Orwells "1984" ("the Eye"), aber auch an "Brave New World" von Aldous Huxley mit der "künstlichen Herstellung" von Menschen. Die Kombination aus beiden Science-Fiction-Büchern ist interessant und hat mir gut gefallen.




Tja, ich hab mir eigentlich einen guten Sci-Fi-Roman erhofft, allerdings hat sich "Centum Night" als ein Roman entpuppt, der meiner Meinung nach vor Sex, Gewalt und Sexismus nur so strotzt und demnach definitiv nichts für mich ist.
Ich wurde mit den Figuren einfach nicht warm und auch die Spannung lässt größtenteils zu wünschen übrig.
Nichtsdestotrotz hat das Buch auch seine guten Seiten, wie der Schreibstil und die Kombination von zwei sehr großen Science-Fiction-Romanen.
Im Allgemeinen ist das Buch also recht speziell; man muss drauf stehen.
Deshalb gibt es von mir noch 2/5 Lesehasen.





"Lou Timisono hat Englische Literatur und Philosophie studiert. Sie lebt abwechselnd in Cambridge, England, und Orange, Frankreich."


Vielen lieben Dank an

http://www.balladinebooks.com

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥




GLG ♥♥♥

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