Montag, 12. Oktober 2015

[Buchrezension] Go Set a Watchman - Harper Lee

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"Maycomb, Alabama. Twenty-six-year-old Jean Louise Finch – ‘Scout’ – returns home from New York City to visit her ageing father, Atticus. Set against the backdrop of the civil rights tensions and political turmoil that were transforming the South, Jean Louise’s homecoming turns bittersweet when she learns disturbing truths about her close-knit family, the town and the people dearest to her. Memories from her childhood flood back, and her values and assumptions are thrown into doubt. Featuring many of the iconic characters from To Kill a Mockingbird, Go Set a Watchman perfectly captures a young woman, and a world, in painful yet necessary transition out of the illusions of the past – a journey that can be guided only by one’s own conscience.

Written in the mid-1950s, Go Set a Watchman imparts a fuller, richer understanding and appreciation of Harper Lee. Here is an unforgettable novel of wisdom, humanity, passion, humour and effortless precision – a profoundly affecting work of art that is both wonderfully evocative of another era and relevant to our own times. It not only confirms the enduring brilliance of To Kill a Mockingbird, but also serves as its essential companion, adding depth, context and new meaning to a classic."
Quelle


"Since Atlanta, she had looked out the dining-car window with a delight almost physical."



Also, mal abgesehen davon, dass ich Orange eigentlich gar nicht mag, gefällt mir das Cover doch ganz gut.
Ich mag es, dass in diesem Rotton "By the author of To Kill a Mockingbird" steht, auch wenn das im zuerst vielleicht ein wenig verwirrt und man unter Umständen auf den ersten Blick "Go Set a To Kill a Watchman Mockingbird" liest, was ja irgendwie keinen Sinn macht... xD
Aber, wie gesagt, ich finde das Cover recht hübsch, insbesondere den Vogel auf dem Ast.
Der Titel an sich erschließt sich bis kurz vor Ende des Buches eigentlich überhaupt nicht und ich habe die ganze Zeit gerätselt, was das wohl mit dem Inhalt zu tun haben mag, aber ab einer bestimmten Stelle passt er dann wie die Faust aufs Auge.
Die Kapitel sind alle mittellang und das Buch ist in sieben Teile eingeteilt.



Wie bereits angeschnitten, hat die Autorin bereits das Buch To Kill a Mockingbird  geschrieben. Obwohl Go Set a Watchman  20 Jahre nach dem ersten Teil an diesen anknüpft, habe ich doch ganz gut verstanden, worum es geht, auch wenn ich den ersten Teil nicht gelesen habe. Man kann To Kill a Mockingbird  und Go Set a Watchman  also unabhängig voneinander lesen.

Der Einstieg in das Buch viel mir allerdings trotzdem nicht so leicht, was allerdings nicht daran liegt, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, sondern viel mehr daran, dass sich die ersten 100-120 Seiten extrem ziehen und man auch nicht wirklich weiß, worauf Lee denn nun hinaus will.
Dann irgendwann kommt man jedoch an einen Punkt, an dem man merkt, was das Thema des Buches wirklich ist: Das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß in Amerika in den 1950ern. Und wenn ich dazu noch sage, dass Maycomb eine Stadt in den Südstaaten sein soll (die gibt´s nicht wirklich), kann man sich ausmalen, wohin das Ganze führt.

"Don´t you study about other folk´s business till you take care of your own."

(Calpurnia zu Jean Louise - S. 138) 

Allerdings, um das alles auch wirklich genügend zu verstehen und um zu erkennen, was die Autorin mit ihrem Buch ausdrücken will, sollte man die wichtigsten Daten der US-amerikanischen Geschichte zumindest im Ansatz kennen, zumindest was die Rassentrennung angeht. Darüber hinaus wäre es natürlich auch vorteilhaft, wenn man weiß, wann und warum der Bürgerkrieg stattgefunden und dass Lincoln die Sklaverei illegalisiert hat.
Denn, wie gesagt, wenn man das nicht weiß, macht das ganze Buch überhaupt keinen oder nur kaum Sinn, und man versteht auch nicht, was Lee sagen möchte. Ansonsten ist Go Set a Watchman  ein wirklich beeindruckendes Buch (wenn man erst einmal über die ersten 100 Seiten hinweg ist).

Go Set a Watchman  liefert nämlich einen extrem guten, emotionalen Einblick in die 50er in Amerika, insbesondere in den Südstaaten.

"How can they devoutly believe everything they hear in church and then say the things they do and listen to the things they hear without throwing up?"
(S. 167)

Die Protagonistin Jean Louise ist zwar in Maycomb aufgewachsen, lebt mittlerweile allerdings in New York City und denkt demnach auch relativ modern. Sie ist sympathisch und bietet ihrer (altmodischen) Tante des Öfteren die Stirn und legt sich mit ihr an, was beim Leser auch hin und wieder zu einem Lacher führt.
Man kann sich in Jean Louise also gut hineinversetzen und ihre Handlungen und Gefühle nachvollziehen.

Umso schockierender ist dann auch das Verhalten ihres Vaters und ihres Kindheitsfreundes, der zudem auch noch so etwas wie ihr fester Freund ist. Zu beiden hat die Protagonistin bis zu einem gewissen Punkt eine starke Bindung; sie glaubt, beide gehörten zu den besten Menschen. Der Leser kann ihr da auch nur zustimmen: Sowohl Atticus als auch Henry sind beide sehr liebevolle Personen, die man eigentlich nur mögen kann. Auch wenn man (bis zu dem Punkt) nichts findet, was nicht positiv an ihnen ist, wirken beide nicht so wie die "Perfekten Menschen", denen man in anderen Büchern nicht allzu selten begegnet.
Generell sind die Figuren, wie Harper Lee sie beschreibt, nicht so wie in anderen Büchern - sie sind alle gleichermaßen besonders und wachsen dem Leser ans Herz (manche mehr, manche weniger.. :D). Schwer zu beschreiben.

"Prejudice, a dirty word, and faith, a clean one, have something in common: they both begin where reason ends."

(Atticus zu Jean Louise - S. 270f.)

Jedenfalls schafft die Autorin es, dass man beim Lesen dieser bestimmten Stelle beinahe vom Hocker fällt, weil man das überhaupt nicht  erwartet!
Man ist so schockiert von dem, was man da liest, dass man es im ersten Moment - genau wie die Protagonistin - nicht wahrhaben will. Dann irgendwann, wenn die "Realität" in das eigene Bewusstsein vorgedrungen ist, kann man es nicht fassen.

Es macht einen so unfassbar wütend, wie die Charaktere dort handeln und was sie sagen - und das Schlimme ist: Es war wirklich so.
Ich hatte ja bereits angedeutet, dass es in dem Buch um Rassismus Weißen Schwarzen gegenüber geht, und wenn man das liest, muss man wirklich darum ringen, nicht die Fassung zu verlieren. Ich musste das Buch zwischendurch wirklich kurz weglegen, damit ich nicht mit dem Kopf gegen die Wand renne. Ehrlich, die Autorin schafft es, wie kaum jemand anderer, den Leser emotional so extrem zu bewegen, einfach durch eine authentische Protagonistin und die unverblümte Schilderung der Wahrheit; sie nimmt kein Blatt vor den Mund.

Ich könnte jetzt noch weiter darüber schreiben, wie emotional dieses Buch macht, allerdings würde ich mich dabei nur wieder in Rage reden. Lest einfach dieses Buch, und dann wisst ihr, was ich meine.

Einzig mit dem Ende bin ich nicht ganz so zufrieden, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich sehr stur bin und wahrscheinlich anders als Jean Louise gehandelt hätte.

Das Englisch ist natürlich zwar etwas komplizierter als einfaches Schulenglisch, und ich musste zwischendurch auch mal ein, zwei Wörter nachschlagen, um den Satz zu verstehen, aber wenn man erst einmal in der Geschichte ist, gewöhnt man sich schnell daran, da die Autorin einen wirklich flüssigen und mitreißenden Schreibstil hat.



Auch wenn der Anfang sich sehr zieht, sollte man Go Set a Watchman  gelesen haben, um das allerdings vollständig zu verstehen, muss man schon Hintergrundwissen über die amerikanische Geschichte haben.
Ansonsten punktet das Buch mit wunderbaren, vielseitigen Charakteren und einer beeindruckenden Art und Weise, die Emotionen der Protagonistin auf den Leser zu übertragen.
An Letzterem ist sicherlich auch der hohe Wahrheitsgehalt schuld. Man fragt sich einfach, wie groß die Dummheit der Menschen denn eigentlich wirklich ist. Und man ist bei so etwas definitiv nicht  stolz darauf, selbst ein Mensch zu sein.
Denn das Thema des Buches ist ja mit Sicherheit nicht eine Sache der 50er, Rassismus - oder auch Diskriminierung im Allgemeinen - gibt es ja immer noch zur Genüge, was mal wieder zeigt, dass der Mensch aus der Geschichte nicht lernt sondern immer wieder die gleichen Fehler macht. Womit wir wieder bei der menschlichen Dummheit wären...
Aber dazu bestimmt ein anderes Mal.
Go Set a Watchman  erhält von mir also einen Abstrich aufgrund des wirklich langen Anfangs.
Trotzdem eine klare Leseempfehlung!
4/5 Lesehasen.




http://www.randomhouse.co.uk/editions/to-kill-a-mockingbird/9781784752637


 

"Harper Lee was born in 1926 in Monroeville, Alabama. She attended Huntingdon College and studied law at the University of Alabama. She is the author of To Kill a Mockingbird and has been awarded numerous literary awards including the Pulitzer Prize and the Presidential Medal of Freedom."
Quelle

Vielen lieben Dank an 

http://www.randomhouse.co.uk/about-us/about-us/companies/uk-companies-and-imprints/cornerstone-publishing/william-heinemann
bloggdeinbuch.de

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥

GLG ♥


Kommentare:

  1. Kling aufregend, das würde ich mir gerne ausleihen :'D To Kill a Mockingbird möchte ich auch unbedingt lesen (schon die letzten drei Jahre xD) Atticus Finch gilt wohl als einer der größten Helden in amerikanischer Literatur und Film, es muss also was dran sein.

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    1. Ja, wie gesagt, das Angebot steht! :D
      Ich möchte das jetzt auch lesen. "Go Set a Watchman" ist ja quasi das Sequel dazu, wurde allerdings eher geschrieben, glaub ich. Nur zuerst vom Verlag abgelehnt, oder so..
      Das glaube ich. Wobei er im zweiten Teil ja dann auch seine nicht so schönen Seiten zeigt! ^^

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    2. Ja klar, es würde doch nicht als Klassiker gelten, wenn der Hauptcharakter nicht ein paar schlechtere Züge hätte. Es muss ja Glaubwürdigkeit haben!

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  2. Ach, ich würde mir nicht allzu viele Gedanken darüber machen, was du nach der Schule machst (bei mir hat sich alles so spontan ergeben, und dabei habe ich mir monatelang SOLCHE Sorgen gemacht - im Endeffekt völlig ohne Grund).
    Ich mache eine Ausbildung bei Thalia. :)

    xo xo
    Sina

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    1. Das sagt man immer so leicht, aber ich mach mich trotzdem verrückt... xD
      Oh, das ist toll! :D Kommt man da dann nicht in Versuchung? xD

      LG ♥

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