Freitag, 18. Juli 2014

[Buchrezension] Roter Mond - Benjamin Percy

Originaltitel: Red Moon
Seiten: 638
Genre: Fantasy
Teil einer Reihe? Nein.
Empfohlenes Alter: ab 14
ISBN: 9783764531232
Preis: € 19,99
Verlag: penhaligon

Erster Satz:

Er kann nicht schlafen.

Lieblingszitat:

Sie versteht diesen Hang zur Gewalt nicht, diesen Zerstörungshunger. Nur Viren verhalten sich so. (S. 472)

Klappentext/Buchrückseite:

Als Regierungsagenten Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ermorden, muss sie erkennen, dass sie und ihre Familie schon immer Ausgestoßene waren.
Der junge Patrick Gamble hat sich noch nie von der Masse abgehoben, bis zu dem Tag, als er ein Flugzeug besteigt und es Stunden später wieder verlässt - als einziger Überlebender eines Terroranschlags, als gefeierter Held.
Chase Williams hat seinen Wählern versprochen, die USA vor Terror zu beschützen. Doch nun wird er selbst zu dem, was er zu vernichten geschworen hat.
Bis heute wurde die Bedrohung durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten.
Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, in der die letzte Schlacht um Freiheit und Menschlichkeit beginnt...

Buchgestaltung:

Ich finde das Cover jetzt nicht besonders schön, es ist aber auch nicht abstoßend. Also eher neutral..
Dadurch, dass der rote Mond so viel Fläche einnimmt, fällt es im Buchhandel auf, da rot ja die Signalfarbe schlechthin ist.
Besonders einfallsreich ist das Cover bei dem Titel natürlich nicht.
Ich glaube eher nicht, dass der Titel gut zum Inhalt passt. Zwar ist gegen Ende mal hin und wieder von einem roten Mond (also dann wahrscheinlich ja ein Blutmond) die Rede - sowas wie "Er schaute zu dem roten Mond im Himmel" oder so -, jedoch kann ich mich nicht erinnern, dass der Mond von besonderer Bedeutung ist.
Vielleicht metaphorisch, so in etwa, wie: "Wir sind Wölfe und heulen den Mond an" und das Rot steht für das Blut, das in der im Klappentext genannten letzten Schlacht vergossen wird. Oder so.

Meine Meinung:

Ich muss leider sagen, dass Roter Mond mich etwas enttäuscht hat. Meine Erwartungen waren recht hoch, da ich viel Gutes über das Buch gelesen habe.
Das Hauptausschlaggebende war da wohl die kaum vorhandene Spannung.
Schon der Einstieg in das Buch ist schwierig, es wird sehr weit ausgeholt. Zuerst hatte ich gehofft, dass sich das mit der Zeit bestimmt legen wird, und diese Hoffnung hat sich dann auch noch verstärkt, als zum Ende des ersten "Buches" (Roter Mond ist in 3 Bücher aufgeteilt) die Spannungskurve nach oben ausschlägt.
Im nächsten "Buch" ist eine Menge Zeit zu dem ersten vergangen, weshalb die Spannung wieder ganz unten ist. Auch hat der Autor wieder sehr weit ausgeholt, was das Ganze noch mehr streckt.
Zwischendurch steigert sich die Handlung immer mal wieder ein kleines Bisschen, schwächt danach aber wieder sofort ab. Das zieht sich leider durch das ganze Buch und ich war beim Lesen ziemlich gelangweilt.
Bei anderen Büchern habe ich schon öfters erlebt, dass alles ziemlich langweilig ist, das Ende dann aber so gut ist, dass das die fehlende Spannung im Rest des Buches wieder wett macht, weshalb ich das hier auch erwartet habe. Das Potenzial wäre da gewesen.
Jedoch wurde ich auch hier wieder enttäuscht. Das Ende ist zwar wirklich unvorhersehbar, aber so doof, dass ich zuerst nicht realisiert habe, dass das Buch hier zuende ist. Es werden meiner Meinung nach zu viele Fragen offen gelassen; so ein Ende wäre bei dem Auftakt einer Reihe zu erwarten gewesen, bei einem Einzelband ist es für den Leser jedoch ungenügend.
Mir hat aber nicht nur nicht die fehlende Spannung und das Ende gefallen, mich hat auch gestört, dass Sex öfters thematisiert wurde, als mir lieb ist; besonders bei Chase, er hat mehr oder weniger permanent daran gedacht, sich eine Prostituierte zu bestellen oder so. 
Generell ist Chase eine sehr unsympathische Figur, was wahrscheinlich größtenteils am eben genannten - ich nenne das jetzt mal Charakterzug - liegt.
Mit Patrick konnte ich mich ebenfalls nicht besonders anfreunden, weil er total der Mitläufertyp ist.
Claire hingegen mag ich, und das liegt jetzt nicht daran, dass sie die einzige weibliche Protagonistin ist, oder so.
Sie macht eine Menge durch und bleibt stark, wo andere wahrscheinlich schon längst zusammen gebrochen wären. Natürlich zeigt sie auch hin und wieder Gefühle, was sie menschlich macht.
Genauso ist es mit Claires Tante Miriam, die zuerst cool und tough erscheint. Es gibt trotzdem Situationen, in denen man merkt, dass sie kein gefühlskalter Mensch ist, besonders, wenn es um ihre Familie geht.
Vielleicht kann ich die beiden auch leiden, weil bei ihnen der Sex nicht so ein großes Thema ist...
Trotz Allem finde ich, dass Percy doch recht facettenreiche Charaktere geschaffen hat, auch wenn einiges an ihnen dennoch recht oberflächlich gehalten ist, wie zum Beispiel die Liebe zwischen Claire und Patrick oder ihr und Matthew, was das Ganze eher unglaubwürdig erscheinen lässt. Natürlich darf man sowas auch nicht zu weit in den Vordergrund stellen, aber wenn so etwas thematisiert wird, sollte es dann auch nicht nur kurz daher gesagt werden und dabei bleibt es dann, oder? ;)
Roter Mond hat zum Glück auch gute Seiten.
Mir gefällt Percys Schreibstil gut, auch wenn die oftmals langen und verschachtelten Sätze das Buch nicht unbedingt zu einer "Nachtlektüre" macht.
Auch wenn die Spannung größtenteils fehlt, ist die Geschichte in sich schlüssig und gut durchdacht, was man daran merkt, dass der Autor geschichtliche Ereignisse seiner Fantasywelt angepasst oder passend dazu welche hinzugefügt hat.
Der größte Pluspunkt ist, dass man Roter Mond gut als Parabel auf die Rassentrennung im 20. Jahrhundert in Amerika oder auch auf die Diskriminierung und den Rassismus der Nazis hier im letzten Jahrhundert anwenden kann.
Das Buch ist da sehr überzeugend, da sehr gut dargestellt wird, wie solche Situationen ausarten können - bspw. vom Flugverbot über Kennzeichnung der Rasse im Pass bis schlussendlich hin zum Genozid -, und dass so etwas immer wieder passieren kann, wenn man Diskriminierung nicht verhindert, selbst wenn man augenscheinlich so "aufgeklärt" ist, wie wir es in der heutigen Zeit sein sollten.
In der Hinsicht ist das Buches nicht nur überzeugend sondern auch erscheckend, da es den Leser eben Genanntes sehr gut vor Augen führt.

Fazit:

Eigentlich würde ich Roter Mond nur zwei Lesehasen geben, da das Buch die meiste Zeit wirklich langweilig ist und wegen der "Charakterzüge". Weil das Buch aber doch einige Pluspunkte hat, u. A., dass es sich sehr gut als Parabel verwenden lässt und einen vor Augen führt, wie schnell es zu Situationen wie dem Nationalsozialismus kommen kann, bekommt es von mir noch 3/5 Lesehasen.


Über den Autor:

(c) Jennifer May
Benjamin Percy wuchs auf im tiefsten Oregon. Vor seinem Romandebüt "Wölfe der Nacht" schrieb er zwei hochgelobte Erzählbände. Er lehrt Creative Writing an der Iowa State University.



Vielen Dank an

für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars! ♥


GLG ;***

1 Kommentar:

  1. Interessant, ich fand das Buch großartig. Es ist toll, wie der Autor die Probleme unserer Zeit in einen Roman verpackt und uns damit die ganze Misere vor Augen führt. Aber ich kann deine Einwände nachvollziehen, der ruhige Schreibstil liegt bestimmt nicht jedem, gerade der hat mir besonders gut gefallen.
    So sind die Geschmäcker eben verschieden.

    Lg, Nicole

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